Jahresbericht 2017- Die Arbeit der Drogenkonsumräume in NRW

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit zehn Drogenkonsumräume. Die Inanspruchnahme und Nutzung der insgesamt 96 Konsumplätze wird entsprechend der gültigen Rechtsverordnung dokumentiert und evaluiert. Die Landesstelle Sucht NRW unterstützt im Auftrag des Ministeriums für Arbeit. Gesundheit und Soziales des Landes NRW die Drogenkonsumraum-betreiber*innen bei der Erhebung und Auswertung der Daten. Der Jahresbericht 2017 stellt die Ausstattung der Standorte sowie die Inanspruchnahme in 2017 dar. Darüber hinaus wurden Jahresvergleiche mit den Auswertungsjahren 2015 und 2016 durchgeführt.

Weiterhin deutlicher Ansteig der Konsumvorgänge

In 2017 hat es im Vergleich zum Vorjahr einen erneuten Anstieg um 17% an Konsumvorgängen in den Drogenkonsumräumen in NRW gegeben. Bereits im Vorjahr war ein Anstieg um 14% zu verzeichnen gewesen. Eine deutliche Zunahme gab es 2017 insbesondere an fünf der 10 Standorte (zwischen 12,2% und 62%). An drei anderen Standorten gab es einen leichten Anstieg der Konsumvorgänge von unter 10 %. An zwei Standorten sind Rückgänge in Höhe von 5,7% bzw. 9,7% zu verzeichnen. Veränderungen der Rahmenbedingungen wie beispielsweise Baumaßnahmen im Umfeld der Einrichtungen, die Zulassung Substituierter sowie Änderungen der Öffnungszeiten wirken sich unmittelbar auf die Inanspruchnahme der Drogenkonsumräume aus. Die Anzahl der Konsumvorgänge der Männer hat erneut das höchste Niveau seit der Einführung der Dokumentation erreicht. Die Anzahl der Konsumvorgänge von Frauen hat ebenfalls zugenommen, im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20%, in Relation zur Gesamtanzahl der Konsumvorgänge ist der Anteil mit 11% gleichbleibend.

Substanzen und Geschlecht

Im direkten Vergleich zwischen Frauen undMännern konsumieren Frauen weiterhin seltener Opiate als Männer (Differenz: 12 Prozentpunkte). Bei den Frauen hingegen sind der Kokainkonsum und auch der Cocktailkonsum um jeweils 6 Prozentpunkte höher als bei den männlichen Konsumenten. Die Verschiebung weg von den Opiaten hin zu Kokain ist auch bei den weiblichen Konsumentinnen zu beobachten. Die Relationen bleiben im Vergleich zum Vorjahr weitgehend gleich, es scheint allerdings, dass vermehrt, wenn auch auf niedrigem Niveau, aufputschende Substanzen konsumiert werden.

Alter der drogengebrauchenden Menschen

In 2017 wurde erneut der größte Anteil an Konsumvorgängen in den Drogenkonsumräumen von 36- bis 45-Jährigen drogengebrauchenden Menschen durchgeführt. Bei den Männern wurden 42% der Konsumvorgänge von Männern im Alter von 36 bis 45 Jahren durchgeführt. Bei den Frauen ist der Anteil der Konsumvorgänge von 26- bis 35-Jährigen mit 38% genau so groß wie der Anteil der Konsumvorgänge der 36- bis 45-Jährigen. Die Frauen, die die Konsumräume nutzen, sind durchschnittlich jünger als die Männer.

Konsumvorgänge substituierter Frauen und Männer

Mit der Änderung der Verordnung über den Betrieb der Drogen-konsumräume wird erkennbar Substituierten seit 2016 der Zugang zu den Drogenkonsumräumen ermöglicht.Insgesamt wurden 2017 mit 59.330 Konsumvorgänge von erkennbar Substituierten doppelt so viele wie in 2016 dokumentiert (Frauen: 8.280 Fälle, Männer: 51.050 Fälle). Der Anteil der Konsumvorgänge erkennbar substituierter Frauen ist mit 28% in Vergleich mit den gesamten Konsumvorgängen der Frauen etwas höher als bei den Konsumvorgängen erkennbar substituierter Männer mit 23%. Die Dokumentation der Konsumvorgänge von substituierten Frauen und Männern konnte aufgrund von Anlaufschwierigkeiten in 2016 nicht an allen Standorten unmittelbar und vollständig umgesetzt werden. So konnten z. B. in 2016 nur 8 Standorte berücksichtigt werden. Die Daten konnten daher nur zur ersten groben Einschätzung dienen. Im Jahresverlauf 2017 konnte die Dokumentation der Konsumvorgänge erkennbar substituierter Personen nun an allen Standorten umgesetzt werden, so dass im Jahr 2018 erstmalig die Daten für ein Jahr aller Standorte vorliegen werden. 

Die Nutzung des Drogenkonsumraums von erkennbar Substituierten geht einher mit einer auf den Einzelfall bezogenen gezielten Beratung, die insbesondere auf die Risiken des Drogenkonsums bei gleichzeitiger Substitutionsbehandlung hinweist und die Inanspruchnahme der im Einzelfall notwendigen Hilfen hinwirkt. Die Beratung findet bedarfsorientiert und nicht bei jedem Konsumvorgang statt. Insgesamt wurden 2.640 Beratungen dieser Art mit erkennbar Substituierten durchgeführt.

Vermittlung in weiterführende Hilfen

Ein zentrales Anliegen der Drogenkonsumräume ist die Vermittlung in weiterführende Hilfen. In 2017 sind 18.414 Fälle (Frauen: 3.419 Fälle; Männer: 14.995 Fälle) in weiterführende Hilfeangebote des Drogenhilfesystems vermittelt worden. Die Anzahl der Vermittlungen ist von 2016 auf 2017 parallel zum Anstieg der Konsumvorgänge um rund 12% gestiegen (2016: 16.372 Fälle). Damit wird bei jedem 13. Konsumvorgang in weitergehende Hilfen vermittelt.

Die Vermittlung in Drogentherapeutische Ambulanzen sowie in soziale Hilfen wie Notschlafstellen waren bei beiden Geschlechtern die häufigste Vermittlungsform.

Der Anteil von auftretenden Drogennotfällen ist mit 0,13 % der gesamten Konsumvorgänge im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig (2016: 0,17%).

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